Sogar der König kommt

30.06.2017

Sogar der König kommt

Beim Dorfwettbewerb zeigt sich Wald von seinen schönsten Seiten. Beim großen Finale beweist der Ort, was ihn ausmacht: die Vielfalt und das Miteinander

Ein bisschen erinnert die ganze Sache an ein erstes Date. Man will sich also von seiner besten Seite präsentieren: putzt sich zu diesem Zwecke etwas raus, weiß Interessantes über sich zu erzählen, trägt aber nicht zu dick auf und hat hinten raus vielleicht noch einen Lacher oder Kracher – damit man in guter Erinnerung bleibt. Und hofft dann auf einen Anruf, auf eine weitere Verabredung. Wenn also die Gemeinde Wald am Donnerstag ein erstes Date mit der Jury des Dorfwettbewerbes hatte, dann wollte man nach diesem Treffen schon denken: da geht noch was, die rufen wieder an.

Um kurz vor neun Uhr ist die Laune vor dem Walder Rathaus noch nicht so richtig prächtig. Es regnet. Und Bürgermeisterin Johanna Purschke sagt, es lasse sich zwar nicht ändern, sie wäre aber mit Regen um 12 Uhr etwas mehr einverstanden gewesen. Da wäre der Jury-Rundgang nämlich schon vorbei. Um 9.02 Uhr fährt ein Bus vor. Die 14 Damen und Herren der Jury steigen aus, begrüßen, lächeln. Trotz Regen. Immerhin gibt es gleich was zu reden. Wetter als Thema ist immer gut. Schon beginnt am Dorfplatz mit Brunnen das offizielle Programm. Die Bürgermeisterin kündigt einen zweieinhalbstündigen Fußmarsch durch die Gemeinde an – und sie verspricht eine Überraschung. Der etwa 40-köpfige Tross setzt sich in Bewegung.

Die Jurymitglieder sind in der Gruppe leicht auszumachen, da jeder von ihnen einen grünen Schirm in der Hand hält. So auch Dr. Wolfgang Besener, der Vorsitzende der Jury. Ein freundlicher Mann, der gut erklären kann, warum es sich für eine Gemeinde auf jeden Fall lohnt mitzumachen beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Besener spricht von einer „Chance für den Ort“. Denn immerhin bekomme jedes Teilnehmerdorf ein fachkundiges Experten-Feedback zu den Themen Bauen, soziale und kulturelle Aktivitäten, Grüngestaltung oder Wirtschaft. Jede Gemeinde könne diese Informationen nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Denn das sei ja letztlich das Ziel: Einen Ort zu schaffen, in dem sich die Menschen wohlfühlen, mit dem sie sich identifizieren. Insofern sei das Ganze „viel mehr als ein Blümchenwettbewerb.“

Mittlerweile hat der Regen aufgehört und es scheint doch tatsächlich die Sonne. Der Marsch durch Wald führt vorbei an Schulgarten, dem Neubaugebiet Mammutbogen, an Pferden, der Wald-Halla, dem Baugebiet Hohenösch und einem Gemeinschaftsgarten. Immer wieder ist der Turm der Pfarrkirche im Blick. Die Jury-Mitglieder machen sich Notizen, nicken hier und da anerkennend. Merklich etwa bei den drei Walder Weihern und deren Nutzung: Baden, Fischzucht und Natur.

Wald ist ja bereits ein Siegerdorf und gewann im vergangenen Jahr auf Landkreisebene. Wie wichtig wäre denn ein Sieg beim Bezirksentscheid? Brigitte Frisch ist Vorsitzende des Gartenbauvereins. Sie sagt, Wald hätte es verdient zu gewinnen. Was sie dann noch sagt, ist ihr aber wichtiger. „Wald ist auf jeden Fall ein Gewinner. Denn der Zusammenhalt der Vereine im Dorf ist genial. Jeder ist immer bereit, dem anderen zu helfen.“ Spricht man mit Menschen aus Wald, mit Vereinsmitgliedern, mit der Bürgermeisterein, taucht dieses Motiv immer wieder auf: Der Zusammenhalt, das Miteinander, das ist den Menschen hier wichtig.

Mit der Pferdekutsche – die versprochene Überraschung – geht es über Feuerwehr und Gewerbegebiet wieder zum Dorfplatz. Von dort über den Pfarrgarten zum Museumsstadel. Und hier auf der Wiese mit Kirche im Hintergrund: das große Finale, der Kracher zum Schluss. Die Blasmusik spielt, Kindergartenkinder singen und es wird Theater gespielt. Ein kurzes, humoriges Stück, in dem sich Vereine und Gruppen von Kirchenchor und Sportverein, bis hin zu Trachtlern und Schützen präsentieren. Als Höhepunkt fährt König Ludwig II. in einer Pferdekutsche vor. Die Jury gibt sich beeindruckt.

In ihren Abschlussstatements verteilen die Jury-Mitglieder denn fast überschwängliches Lob: Die Walder Weiher seien ein „Augenschmaus“, das Rad- und Wanderwegekonzept „sehr gut“, „tolle Jugendarbeit“, der von nahezu überall mögliche Blick auf die Kirche sei als „Juwel zu sehen“. Kritik gibt es so gut wie nicht: Lediglich im Neubaugebiet könne man ein paar Bäume mehr pflanzen.

Bürgermeisterin Johanna Purschke hatte in ihren Abschlussworten gesagt, die Gemeinde wolle in Sachen Dorfentwicklung „nicht alles Mögliche machen, sondern alles, was möglich ist.“ Ob das bisher Geleistete zum Gewinnen reicht? Egal ist das Purschke nicht. Aber sie sagt: „Wir finden unser Dorf auf jeden Fall schön – ob wir gewinnen oder nicht.“

Am Montag, 3. Juli, werden die Bezirkssieger beim Dorfwettbewerb bekannt gegeben.

Von Dirk Ambrosch

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