Geschichtlichtes von Wald

Armenhaus in Wald

An die „roat Wäschere“ und den „fruchset Hias“ ist die Erinnerung noch lebendig

1943 wurde das baufällige Walder Armenhaus abgerissen, das sich exponiert auf der Anhöhe zwischen Wald und Wetzlers befand. Bis dahin war an klaren Sommertagen die weiße Südwand des Gebäudes, das dem Wohn- und Stallteil eines Bauernhofs glich, weithin zu sehen. Von so manchem Walder Wanderer wurde es noch vom Breitenberg aus als Orientierungspunkt zum Heimatort erkannt. 

Wie aus Josef Schiffners Aufsatz „Kennst du dein Heimatdorf?“ hervorgeht, auf den sich dieser Artikel stützt, ist das Entstehungsjahr des Hauses nicht gesichert.

Geshichtliches von Wald
 

Jedoch kann man aufgrund der Bauweise und des Vergleichs mit ähnlich alten Gebäuden davon ausgehen, dass es auf eine der beiden leeren Hofstätten in Wetzlers zurückgeht, die der Heimatforscher Dr. Alfred Weitnauer in seinem Buch „Alte Allgäuer Geschlechter um 1650“ aufführt.

Noch heute in Flurkarten als „Nothof“ eingetragen

Die Gemeinde erwarb das Anwesen für die Unterbringung der Dorfarmen. Zwei Wohnungen wurden darin notdürftig eingerichtet. Das Grundstück, auf dem das Armenhaus einst stand, ist noch heute in den Flurkarten der Gemeinde als „Nothof“ eingetragen.

An einige Armenhaus-Bewohner ist die Erinnerung lebendig: Die „roat Wäschere“ (rote Wäscherin) verdiente sich durch Wäschewaschen notdürftig etwas dazu.

Der „gfuchset Hias“ (Martin Adalbert) war ein schneidiger, gut aussehender Mann mit rötlich-blonden Locken, der sein Geld offenbar schneller ausgab, als er es sich verdienen konnte. Als er seine Miete nicht mehr zahlen konnte, wurde er durch den Armenpfleger der Gemeinde in den Nothof eingewiesen.

Hundefett als Schuhschmiere und gegen Lungenkrankheiten

Unvergessen ist auch Meinrad Fischer, der sich mit vielerlei Arbeit das Brot für seine kinderreiche Familie verdienen musste. Beispielsweise übernahm er die unangenehme Arbeit der Beseitigung überzähliger Hunde und Katzen im Dorf.

Hundefett war damals nicht nur eine begehrte Schmiere für Schuhe, Riemen und Lederzeug, sondern galt auch als wirksame Salbe bei Lungenkrankheiten.

Fischers Frau hingegen zog täglich mit einem von einem Hund gezogenen Karren von Haus zu Haus und brachte das Brot des Bäckers unter die Leute. So verdiente auch sie einige Pfennige.

Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stand das Armenhaus leer. 1934 erwarb Oberingenieur Martin Stolle das Grundstück daneben und errichtete darauf sein Wohnhaus. Einige Jahre später verkaufte die Gemeinde das Anwesen.

Einen Teil des Grundes erwarb ein Bauer aus Wetzlers, der andere Teil ging an Nachbar Dr. Stolle. Das Gebäude erstand Bauer Thomas Schmid aus Holzmanns, der es 1943 abbrach und aus dem noch verwertbaren Balkenwerk einen Feldstadel „hinterm Berg“ errichtete, der heute der Familie Abrell gehört.

Dort also sind die letzen Spuren des einstigen Armenhauses zu finden.


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